DIE VEREINSGESCHICHTE

 

Als nach dem ersten Weltkriege sich mehrere Pferdezüchter und Liebhaber aus Westerkappeln und den umliegenden Gemeinden Lotte und Wersen mit dem Ziele zusammenschlossen, die schwer danieder liegende Pferdzucht auf heimatlichem Boden zu fördern und am 26.06.1921 den Zucht- Reit- und Fahrverein "Westerkappeln - Lotte - Wersen" gründeten, fassten die 14 anwesenden Gründer den Schlusssatz der Gründungniederschrift in folgende Worte: 

"Möge in Zukunft dieser befriedigende Anfang dem jungen Verein, der seine Ziele neben den sportlichen Veranstaltungen in erste Linie auf die Erhaltung und Förderung der westfälischen Landespferdezucht setzt, zum Ansehen, dem Urgründer zum Dank und der Nachwelt zum Segen gereichen."

In den ersten Vorstand des Vereins wurden berufen:

1. Vorsitzender: Bauer W. Schierke, Lote
2. Vorsitzender: G. Dieckschwegmann, Wersen
1. Schriftführer: Hotelbesitzer H. Mönkehaus, Westerkappeln
2. Schriftführer: Bauer H. Havermeyer, Wersen
1. Kassierer: Oberlandjäger Fr. Risken, Westerkappeln
2. Kassierer: Bauer H. Freese-Bente, Westerkappeln

Bald zähle der Verein 74 Mitglieder und bereits am 24.07.1921 startete das erste wohlgelungene Rennen auf einer Weide des Bauern Gude, Westerkappeln. Es wurden Trabrennen, Trabfahren, Halbblut-Flach- und Jagdtrennen veranstaltet. In einer zweiten Jahresveranstaltung wurde das turniermäßige Reiten gepflegt, Jagdtspringen, Dressurprüfungen für Reit- und Wagenpferde und Wettkämpfe ländlicher Reitvereine des Kreises durchgeführt. Am 12.05.1923 wurde der Verein amtsgerichtlich eingetragen und der Aufsicht des Provinzialverbandes ländlicher Reitvereine in der Provinz Westfalen unterstellt.1924 wurde die jetzige Rennbahn am Rittergut Haus Cappeln ausgebaut. Im Jahre 1925 übernahm der damalige Bürgermeister der Stadt Westerkappeln, H. Schulte die Vereinsführung. Eine feststehende Tribüne mit den erforderlichen Nebenräumlichkeiten wurde im gleichen Jahr errichtet. Es folgten für den Verin sieben schwarze Jahre, in denen sämtliche Veranstaltungen durch die Ungunst der Witterung, wenn auch nicht sportlich, so doch finanziell zum Misserfolg wurden.
Es war insbesondere der Verdienst des Kassierers, Gend. Wachtmstr. Risken und die Gebefreudigkeit der Mitglieder und Gönner des Vereins, dass diese Jahre finanziell  überstanden wurden.
 

Besondere Einlagen zwischen den Rennen unter dem Motto "Motor und Pferd" mit Flugzeugvorführungen, des später tödlich verunglückten Kunstfliegers R. Tling, Osnabrück, lockerten immer wieder trotz Sturm und Regen tausende von Zuschauern zur Rennbahn nach Westerkappeln.
Neben den sportlichen Veranstaltungen wurden interessante Vorträge auf dem Gebiete der Pferdezucht und Tierpflege gehalten. Die hiesige Hengststation wurde durch Geldunterstützung würdig ausgebaut. Eine starke Reitabteilung ländlicher Reiter unter Leitung des Reitlehres Gen. Wachtmstr. Risken sorgte für die Ausbildung unserer ländlichen Jugend zu tüchtigen Nachwuchreitern.
Ein Ereignis war es an den Renntagen, wenn Reiter von Ruf wie Major Neumann, Rittmeister, v. Barnekow, Brandt v. Nagel, Dex und Hptm. Nelke, Angehörige der Kavallerieschule Hannover, in den Sattel stiegen.
 
In Amazonenrennen sahen wir neben anderen die bekannten Renn-Reiterinnen Frl. v. Schmid-Pauli, Frl. v. Glinski, Frl. Schütz und in den übrigen Rennen die ungenannten Namen unserer bewährten heimischen K.Broda H. und W. Schütz, van den Bänken und Harmanntschen. pp im Sattel.

Nicht vergessen werden dürfen die Namen der Förderer unseres Vereins: Ehrenvorsitzender Reg. Viz. Präs. i. R. Dr. Schultz, Osnabrück, früher Landrat des Kreises Mecklenburg, Kaufmann Fr. Brenninkmeyer, Rittergut Haus Laggenbrück, Bauer W. Schierke, Lotte, Bauer Fr. Wieligmann, Bauer G. Westenhoff, der ruhige und trotzdem energische Starter H. Bente-Freese und der stets einsatzbereite Schriftführer H. Mönkhaus, Westerkapeln.
 

Den Erfolgreichen Aufstieg seit 1932 mit Rennveranstaltungen bis zu 10000 Besuchern setzte im Jahr 1939 der 2. Weltkrieg ein jähes Ende. Nach dem Zusammenbruch 1945 fanden sich die Mitglieder am 30.03.1946 zum ersten Male wieder zu einer Versammlung zusammen. Mit einer reiterlichen Werbeveranstaltung trat der Verein erstmalig nach dem Kriege wieder an die Öffentlichkeit. Der Erfolg dieser Veranstaltung gab dem Verein den Auftrieb um ein Jahr später das erste Rennen nach dem Kriege, am Pfingstmontag 1949, zu veranstalten. Dieses Rennen und das im geichen Jahr durchgeführte Turnier unter Leitung unsers leider tödlich verunglückten Reitlehrer Janisch war in sportlicher und finanzieller Hinsicht ein Erfolg für den Verein. Die Leitung des Vereins, die in den Jahren 1925 bis 1950 in den Händen des Amstbürgermeisters i.R.H. Schulte, Westerkappeln, so erfolgreich gelegen hatte und aus Anlass seines Rücktritts infolge seines Alters nach 25 jähriger Tätigkeit endete, wurde dem jetzigen Vorsitzenden Bauer Otto Bulk, Lotte, 1951 übertragen.
 
Mögen die Worte der Gründungsversammlung auch in Zukunft Ansporn sein und Gültigkeit behalten zum Wohle unseres Reitsportes.

"Möge in Zukunft dieser befriedigende Anfang dem jungen Verein, der seine Ziele neben den sportlichen Veranstaltungen in erste Linie auf die Erhaltung und Förderung der westfälischen Landespferdezucht setzt, zum Ansehen, dem Urgründer zum Dank und der Nachwelt zum Segen gereichen."

Westerkappeln, im Mai 1951
W. Schulte, Diplom-Landwirt
Geschäftsführer